Das Schützenwesen hat in der Oberlausitz eine lange Tradition. Bereits mit den ersten Stadtgründungen ( Königsbrück wird erstmals 1248 erwähnt) finden wir Überlieferungen über Bürgergilden, die ausgerüstet mit Spieß, Armbrust und Pfeil und Bogen Stadt und Bürger vor räuberischen Banden oder auch Adelswillkür schützen. Dazu mussten alle "ehrbaren Bürger" Waffen tragen und regelmäßig an den Waffenübungen teilnehmen. Durch Zerstörungen und Plünderungen in Folge von Kriegen und zahlreichen Stadtbränden finden sich kaum Gegenstände und schriftliche Überlieferungen, die Zeugnis über die Geschichte der Königsbrücker Schützen ablegen könnten. Mit Sicherheit ist der Ursprung der in Gesuchen der Bürgerschaft 1728 und 1729 erstmals erwähnten "Armbrustschützengesellschaft" in der Regierungszeit Karl IV. (1316-1378), Deutscher Kaiser und König von Böhmen, zu suchen, der in der Oberlausitz die Bildung von Bogen- und Bolzenschützengilden zum Schutz von Städten und Handelswegen anordnete.

1728,1729 In Gesuchen der Bürgerschaft an den Kurfürsten von Sachsen und den Bautzener Landeshauptmann über die "Wiederaufrichtung" der Schützengesellschaft wird erstmals eine "Armbrustschützengesellschaft erwähnt, die 1631 infolge eines Stadtbrandes ihren "Pflanzgarten" infolge allgemeiner Verarmung veräußern musste. Damit, so die Chronik, hörte sie faktisch auf zu bestehen.

1744 Petition der Bürgerschaft an die Regierung, erneut wird um "Wiederaufrichtung der Schützengesellschaft mit gezogenen glatten Rohren" nachgesucht.

1770 Erneutes Bittgesuch, die Standesherrschaft erteilt die Erlaubnis jährlich ein Königsschiessen durchzuführen und erlässt 19 Artikel, die als die "Regularien der Königsbrücker Schützengesellschaft" gelten. Gleichzeitig werden Privilegien, wie das Brauen steuerfreien Bieres verliehen. Die Königsprämie wurde auf 20 Taler, die Marschallprämie auf 9 Taler festgelegt. Ersterer hatte "3 Tonnen Bier", der Marschall 1 Tonne Bier zur Ergötzlichkeit der Schützengesellschaft zu geben". Diese Jahreszahl wurde in der Folgezeit bei Jubiläumsfeierlichkeiten als offizielles Gründungsdatum betrachtet.

1779 Petition der Königsbrücker Schützen, eine Fahne führen zu dürfen, wurde durch den Kurfürsten abschläglich beschieden.

1794 wird eine Sterbekasse angelegt, um bei Verarmung von Schützen die Begräbniskosten aufzubringen. Die Regularien der Schützengesellschaft werden überarbeitet.

1808 das erste Schießhaus wird errichtet. Durch den Oberamtshauptmann von Bautzen wird den jeweiligen Schützenkönig das "Abbrauen eines steuerfreien Bieres" gestattet. Hierzu kommt es in der Folgezeit zum Streit zwischen den Schützenältesten und dem Rat, der erst 1850 mit einem Vergleich beigelegt wurde.

1810 die Standesherrschaft erlaubt den Schützen eine Uniform tragen zu dürfen, sie besteht aus einem grünen Frack, weiße Weste, graue Hose, Stiefel, Dreispitz mit grünem Federputz und Hirschfänger.

1817 Erlass König Friedrich August von Sachsen zur Einbeziehung der Schützen zum dienst in die Landwehr, verbunden damit eine in Sachsen einheitliche blaue Uniformierung. Die Königsbrücker Schützen versuchen mit Bittgesuchen und Kostenvergleichen ihre Uniform behalten zu dürfen

1834 mit einem Kostenaufwand von 5000 Talern wird das Schützenhaus und der Schießplatz errichtet.

1841 Gesuch Königsbrücker Bürger um Genehmigung zur Gründung einer Jägerkompanie als Bestandteil der Schützengesellschaft.

1850 die Uniform erfährt erneut Veränderungen, der Vorschlag der Schützen wird durch den Rat verändert, bei Zuwiderhandlung werden 5 Taler Strafe angedroht.

1871 Jubelfeier zum 100jährigen Bestehen, die Feier 1870 war wegen des Krieges mit Frankreich verschoben worden. In den Folgejahren, mit Unterbrechung im 1. Weltkrieg wurden regelmäßig Schützenfeste und das Königsschießen durchgeführt.

1922 die Privilegierte Schützengesellschaft begeht im August ihre 150 Jahrfeier.

1939/1945 mit Fortdauer des Krieges wird die Vereinsarbeit immer mehr beeinträchtigt, es finden keine Schützenfeste mehr statt.

1945 Befehl Nr. 2 und 3 sowie Nr. 126 des Alliierten Kontrollrates bzw. der Sowjetischen Militäradministration. Den Schützenvereinen wurde jedwede Tätigkeit untersagt. Eigentum und Besitz wurden konfisziert.

1950/1965 Nutzung der Schießanlage durch die "Gesellschaft für Sport und Technik-Schießsport, in den Folgejahren wird das Umfeld bebaut, die Anlage und das Schützenhaus verfällt.

1988 das Schützenhaus wird wegen Baufälligkeit abgerissen.

1990 mit Veränderung der politischen Bedingungen erste Überlegungen zur Widergründung der Schützengesellschaft in Königsbrück.

25. Mai 1991 Erste Mitgliederversammlung zur Wiederbelebung der Privilegierten Schützengesellschaft, der Antrag zur Aufnahme in das Vereinsregister wird gestellt.

Oktober 1991 Besuch einer Abordnung des Schützenvereins Hainbronn/Oberfranken in Königsbrück. Es entwickeln sich in der Folgezeit fruchtbare partnerschaftliche Beziehungen, gegenseitige Besuche zu den Vereinshöhepunkten werden zur Tradition.

1992 Die Privilegierte Schützengesellschaft wird Mitglied im Sächsischen Schützenbund. Im Vereinsheim "Zum Gockel" beginnt das regelmäßige Training mit Luftdruckwaffen.

1994 Einweihung der Vereinsräume mit Schießanlage im Schloß. Zur Eröffnung der Gewerbeschau präsentieren sich die Schützen erstmalig in ihrer Schützenuniform.

1995 die Privilegierte Schützengesellschaft begeht im Oktober ihr 225-jähriges Vereinsjubiläum mit Fahnenweihe auf dem Schlosshof und Schützenfest. In feierlicher Form werden die Kanonenrohre der Schützenkanonen von 1834 durch einen nicht genannt werden wollenden Bürger zurückgegeben.
Das traditionelle Schießen auf die Königsscheibe wird wieder belebt. Dieser Tag und die Königsproklamation im Dezember werden ein Höhepunkt der folgenden Schützenjahre.

1998 anlässlich der Eröffnung der 750 Jahrfeier der Stadt im Schlosshof schießen die originalgetreu restaurierten Schützenkanonen Salut.

1999/2000 zur Jahreswende schiessen die 166-jährigen Schützenkanonen auf dem Scheibischen Berg Salut zur Begrüßung des neuen Jahrtausends. Möge es für die Stadt, seine Bewohner und für die Königsbrücker Schützen eine glücklich und friedliche Zukunft bringen.

03.Oktober 2000 Die Schützengesellschaft nimmt am Ehrenspalier der Schützenvereine des Sächsischen Schützen Bundes, anlässlich der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit, in Dresden teil.

Juli/September 2001 In Hainbronn/Pegnitz und Königsbrück wird das 10jährige Bestehen der Partnerschaft in würdiger Form begangen. In Pegnitz, Ortsteil Hainbronn, wird eine Linde gepflanzt und ein Gedenkstein eingeweiht.

20. Oktober 2002 Eine ausserordentliche Mitgliederversammlung ermächtigt den Vorstand Kaufverhandlunegn zum Erwerb eines 1,5 ha grossen Grundstücks an der Kamenzer Strasse 79 (Am Schwarzen Weg) aufzunehmen.

12.Juni 2003 Der Kaufvertrag wird notariell beglaubig. Es beginnen die Arbeiten zur Beräumung, teilweisen Abriss und die Rekonstruktion als Schützenhaus.

30.September 2003 Der Mietvertrag über die Vereinsräume im Schloss wird gekündigt. Die Schützengesellschaft bezieht das Gebäude der ehemaligen Schneiderei an der Hoyerswerdaer Strasse als vorläufiges Vereinshaus.

19.08 2004 Die Schützengesellschaft wird als Eigentümer des Flurstücks 461/1 (Am Schwarzen Weg) eingetragen.

11. bis 12. Juni 2005 Teilnahme an der 600 Jahrfeier, im Königsbrücker Ortsteil Stenz.

25. bis 26. Juni 2005 Teilnahme der Königsbrücker Schützen am Festumzug zur 650 Jahrfeier in Pegnitz.

20. Mai 2006 Auf dem Vereinsgelände Am Schwarzen Weg findet das 1. Schützenfest statt.

24. Mai 2008 Der Schiessstand für Luftdruckwaffen im Schützenhaus, Am Schwarzen Weg, wird eingeweiht.

16. August 2008 Die Königsbrücker Schützenkanonen eröffnen die 700 Jahrfeier in Gräfenhain, einem Ortsteil von Königsbrück

Jahre um Jahre vergingen, neue Geschlechter wuchsen heran und sanken dahin, aber die Zeit hat viele Wunden geheilt und immer wieder wurde sich der alten Tradition erinnert. Mit viel Stolz kann die Privilegierte Schützengesellschaft auf die wechselvolle Vergangenheit blicken. Aus der Bürgerschaft entstanden und aus allen Bürgerkreisen zusammengesetzt, bildete sie von jeher eine Pflegestätte treuer Kameradschaft und gesunden Gemeinsinns Möge die zukünftige Chronik nur dem friedlichen Wettstreit und einer glücklichen Zukunft vorbehalten sein.

Die ältesten Fotodokumentationen stammen aus dem Jahr 1930

Geschichte der Königsbrücker Schützengesellschaft

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